Das alles und noch viel mehr

Heutzutage wird viel zu wenig gesungen. Deshalb: ein Lied!.

Melodie: Rio Reiser „König von Deutschland“

Nach jedem Spieltag wenn der Beckmann quakt,
mach ich mir ein Pils auf und krieg nen Herzinfarkt,
so kann das doch nicht immer immer weiter gehen,
ich will doch eigentlich nur mal wieder Fußball sehen.

Dann frag ich mich jammernd, wie das wohl wäre,
wenn man mich morgen zum obersten Chef erklärte,
ich würde wohl den ganz Mist zum Teufel jagen
und hinterher erst nach den Konsequenzen fragen

Das alles und noch viel mehr
würd’ ich machen
damit Fußball wieder König wär
das alles und noch viel mehr
würd’ ich machen
damit Fußball wieder König wär

Als erstes würde ich den Fans im Stadion sagen,
künftig geht’s den Leuten richtig an den Kragen,
die Euch nur für ein bisschen Atmosphäre brauchen,
ansonsten aber bei jedem roten Lichtlein fauchen.

Und da wir schon dabei sind gleich noch hintenher,
gibt es keine Sitzplatzschalen in der Kurve mehr,
denn wer braucht schon Stühle wenn er lauthals singt und lacht,
und den Gegner schmäht bis der sich in die Buchse macht.

Das alles und noch viel mehr

Später würd’ ich den Experten hinterm Mikro erzählen,
sie dürften uns nicht mehr mit ihrem Schwachsinn quälen,
ich will auch kein Klischee mehr über Brasilien hören,
wo sie uns angeblich artgerecht mit Zauberei betören.

Stattdessen muss der Töppi seinen Strohrum teilen,
oder gleich mit der Bagage in die Klapse eilen,
denn wer braucht schon Kommentare vom Spielfeldrand,
wenn die klingen wie im permanenten Rauschzustand.

Das alles und noch viel mehr

Zu guter Letzt würde ich das viele Geld entwerten,
mit dem die guten Samariter hier so um sich werfen,
dann wär’ ihr neues Hobby ein Verlustgeschäft,
bei dem sich rein gar nichts mehr verkaufen lässt.

Am Ende des Lieds zählt wieder nur der Groschen,
den wir bringen ins Stadion, alle Jahre und Wochen,
manch’ Kicker mag das Moos zu sehr vermissen,
der muss sich dann ins Showgeschäft verabschieden.

Das alles und noch viel mehr

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Ein Schrein für: Henrik Larsson

Auch ohne gegebenen aktuellen Anlass muss ich wieder einmal vor einem meiner liebsten Fußballer aller Zeiten niederknien. Das folgende, sehr schöne Video bringt die Argumenten für einen Larsson-Schrein in meinem nicht vorhandenen Bastel-Party-Keller, wie ich finde, perfekt auf den Punkt.

Für Unbedarfte des schottischen Fußballs: Larsson konnte die jahrelange Dominanz der Glasgow Rangers (blaue Trikots) fulminant beenden und führte Celtic Glasgow (Grün-Weiß) nicht nur zu reihenweise Derbysiegen und Meisterschaften, sondern auch ins Europacup-Finale. Henrik Larrson ist inzwischen 38 Jahre alt und lässt seine Karriere in der Heimat bei Helsingborg IF ausklingen.

Die Bullenjagd hat begonnen

Man kann ja zu RB Leipzig stehen wie man möchte, wird sich so oder so allerdings einer gewissen Faszination am Einstieg der österreichischen Brause in den hiesigen Fußball bzw. an den Folgeerscheinungen nicht erwehren können. Am vergangen Wochenende bestritten die Herren um Ex-Nationalspieler Hertzsch ihr erstes Oberliga-Spiel und kamen bei der Reserve von Carl-Zeiss Jena mit einem blauen Auge davon. Kurz vor Schluss gelang den wohl weitgehend schlaffen Bullen noch der Ausgleich.

Der erste sportlich Härtetest geriet für RB jedoch auch zum Vorgeschmack auf den Unmut, der ihnen künftig aus den Fankurven der Liga droht. Man habe die RB-Spieler an den Kernbergen bespuckt und beleidigt, am Ende gar regelrecht vom Hof gejagt – heißt es sinngemäß in der Presse und den Fanforen. Kommendes Wochenende kündigt sich mit der Gefolgschaft des FSV Zwickau Fortsetzung der tatkräftigen RB-Missbilligung an.

Neben dem Geschehen auf dem Rasen und den Rängen ist auch das Internet in Sachen RB ein großer Quell interessanter, bisweilen äußerst amüsanter Geschehnisse. So gibt es seit kurzen zwei Fake-Blogs, die von antikapitalistischen linken RB-Ultras bzw. nationalen rechten RB-Kameraden berichten.

Nicht zuletzt hat Fortuna den RB’lern gleich in der ersten Runde des Sachsen-Pokals den FC Sachsen Leipzig zugelost und somit die Leipziger Derby-Dichte in den kommenden Wochen noch gesteigert.

Bullen an der Pleiße

SportDie „Hoffnung Mitteldeutschlands“, sie hat einen neuen Namen: RB Leipzig. Seit Wochen gleicht der hiesige Blätterwald und auch manch auswärtiger angesichts der aktuellen Entwicklungen im Leipziger Fußball einer Dauererrektion. Endlich, ja, endlich scheint die Fußball-Bundesliga, vielleicht gar die Champions League in der Messestadt wieder ein ernst zu nehmendes Thema, kann man den unzähligen sportlichen und vereinswirtschaftlichen Niederlagen in den vergangenen Jahr(zehnt)en unbändigen Optimismus entgegensetzen. Grund für die Euphorie ist der Entschluss eines österreichischen Brause-Herstellers, sich als sportlicher Gönner in Leipzig zu versuchen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Red Bull den brach liegenden Fußball-Zirkus in Leipzig als lohnendes Marketing-Objekt ins Auge fasst. Bereits vor zwei Jahren streckte der Firmenchef Dietrich Mateschitz seine Fühler gen Pleiße, wollte dem FC Sachsen ein paar Stiere vor den Karren spannen, die dann mit seinem Firmenlogo gen Champions League  walzen sollten. Wie es heißt, scheiterte die Übernahme damals noch an den Liga-Bestimmungen zur Präsenz von Firmen in der Vereinsbezeichnung und am Gewaltpotential der Leipziger Traditionsclubs. Nicht mit Gewalt, aber mit aller Macht kehrt Red Bull nun durch die Hintertür in den hiesigen Fußball zurück. Der Vorort-Oberligist SSV Markranstädt war sich nicht zu schade, Haus, Hof und vor allem Spiellizenz an die Österreicher zu verscherbeln.  Auch der zuständige nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) jubelte und öffnete dem Brausegiganten Red Bull unter dem Deckmantel der Rasenballer, kurz RB Leipzig, jegliche Liga-Statuten. Hauptsache, das Leipziger Fußball-Event-Potential wird endlich angemessen ausgeschöpft.

Was er macht, das macht er richtig – schreibt der lokale Sportjournalist Guido Schäfer seit Wochen sinngemäß über den Brause-Mateschitz, kolportiert dreistellige Millionen-Investitionen in den Leipziger Fußball und feiert jeden Bullen-Furz als göttlichen Fingerzeig in die Champions League. Nicht zuletzt ,wird hier in jedem zweiten Halbsatz über den neuen Verein auch das angeblich Flügel verleihende Produkt der Österreicher gepriesen, als hätte Mateschitz mit dem SSV Markranstädt auch gleich noch kostenlose Anzeigen in den Medien erworben. Zumindest kann Red Bull so schon jetzt einen beachtlichen Marketing-Mehrwert  aus seinem Leipziger Engagement  verbuchen – sogar mein Vater rief mich kürzlich an und wollte wissen, wo es denn diese österreichische Brause gibt, die jetzt täglich in der Zeitung stehe.

Doch zurück zum Fußball, den es hier ja künftig viel besser und erfolgreicher geben soll. Mit einem Spielrecht für die Oberliga, die fünfthöchste Spielklasse,  geben sich die Rasenballer natürlich nur sehr kurzfristig zufrieden. Rauf und rauf soll es gehen, in maximal fünf Jahren schon die 2. Bundesliga erreicht sein. Wie solch’ ein überaus ambitionierter Erfolgsplan bei aktiver sportlicher Konkurrenz funktionieren soll, wissen wir jetzt auch: mit gut bezahlten Profis aus höheren Ligen natürlich. Angesichts der mehr oder minder namhaften Rasenball-Neuzugänge , inklusive  des ehemaligen Nationalmannschafts-Bankdrückers Ingo Hertzsch, fallen mir zumindest die einstigen Visionen der früheren „Hoffnung Mitteldeutschlands“ ein. Mit ebenfalls top-bezahlten  Zweitliga-Profis  wollte der FC Sachsen einst den Niederrungen des Regionalfußballs entrinnen und avancierte dabei zum Gespött der Liga. Passable Fußballer, wie Rolf-Christel Guié-Mien, Adebowale Ogungbure oder der Zweitliga-Goalgetter Josef Ivanovic, blieben zwischen Halberstadt und Auerbach meist im unwegsamen Geläuf hängen oder ließen sich nach unabdinglichen Tritten der Gegenspieler regelmäßig zu Tätlichkeiten hinreißen. Mit Timo Vogel sitzt derzeit zumindest ein Kenner der regionalen Sportplätze auf der Trainer-Bank. Doch ob Hertzsch und Co. im Falle von Misserfolgen seine Autorität akzeptieren, bleibt zumindest fraglich.

Der sportliche Werdegang der Rasenballer  ist natürlich trotz meiner fachlich überaus eloquenten Einschätzung 🙂 offen und mit etwas Glück gelingt dem Team ein guter Saisonstart, der für den „FC Bayern“ der Oberliga manches einfacher werden lässt. Vielleicht strömen dann auch die zweifellos zahlreichen Leipziger Fußball-Fans ohne Herzblut für FC Sachsen, 1. FC Lokomotive oder BSG Chemie ins Markranstädter „Stadion am Bad“ und werden dort vom  sicher umfangreichen Entertainment-Programm  der Roten Bullen begeistert. Ich persönlich bin gespannt, ob die zahlreichen Berichte über das ätzende Wesen des „Modernen Fußballs“ beim österreichischen Meister Red Bull Salzburg auch für RB Leipzig zutreffen werden – und werde natürlich ggf. an dieser Stelle darüber berichten.

BSG Chemie under attack

SportNach einiger Zeit der Abstinenz konnte ich am vergangenen Wochenende wieder einmal einem Ligaspiel der BSG Chemie Leipzig beiwohnen. Bei schönstem Kickerwetter fuhr ich nach Lausen (ein Leipziger Stadtteil am Rande des Kulkwitzer Sees), um der Mannschaft beim Siegen zuzusehen.

Hier musste ich allerdings feststellen, dass sich die Atmosphäre bei den Spielen des Kreisklassen-Krösus (13. Liga!) gegenüber der bei den vielen schönen Fußballnachmittagen in den vergangenen Monaten deutlich verändert hat. Massive Polizei-Präsenz (in voller Montur) am Einlass ließ schon nichts Gutes erahnen. Ein Blick auf die Anzeigentafel der Platzherren, die von der ersten bis zur letzten Minute ein „8:8“anzeigte und auf das Gebaren manch gegnerischer Fans, ließ das Spielgeschehen schnell zur Nebensache werden. Augenscheinlich sollten hier die als antirassistisch und antifaschistisch bekannten Ultras der BSG Chemie Leipzig mit rechten Parolen zum Handeln provoziert werden . Die Mädchen und Jungs taten den Schwachmaten zum Glück nicht den Gefallen und feierten gewohnt sangesstark ihr Team – bis zum Schluss.

Auch nach dem Abpfiff behielten die jungen Chemie-Ultras kühlen Kopf und ließen sich gar bereitwillig im Polizeikessel zur Straßenbahn „abführen“. Bis dahin sollten sie jedoch nicht kommen. Wie verschiedene Quellen berichten, wie etwa das Dokumentationsportal „ad.dog“ oder der „Chemieblogger“, wartete eine Gruppe mutmaßlich dem rechten Spektrum zugehörender Personen kurz vor der Haltestelle auf die von der Polizei begleiteten Fans der BSG und griffen den Tross – wie es heißt – mit „Baustellenschildern, Steinen, Flaschen und pyrotechnische Erzeugnissen“ an. Da ich mit meinem Auto einige Meter hinter den Geschehnissen fuhr, sah ich persönlich nur an meinem KFZ vorbeiflüchtende Menschen und Rauschschwaden des von der Polizei eingesetzten Pfeffersprays.

Wer die Medienberichte zum Leipziger Fußballgeschehen verfolgt, wird wissen, dass dies nicht der erste, politisch motivierte Angriff auf die Fans der BSG Chemie war. Einen guten Überblick dazu liefert erneut der Chemieblogger.

Ach, Fußball wurde ja auch gespielt. Chemie gewann 6:2 und ist weiterhin Tabellenerster.

Zurück auf dem Platz

Sport

Es gibt eine alte Fußballer-Weißheit, die besagt: Wer am besten aus der Winterpause herausstartet, wird am Ende auch den Titel davon tragen. In Anbetracht dessen, sind die ersten sechs Punkte des Jahres für den Krösus der 3. Leipziger Kreisklasse, besser bekannt als die BSG Chemie Leipzig, mehr als vielversprechend. Erst wurde der SV Lipsia 93 Eutritzsch II mühsam mit 2:1 vom Platz geschickt, dann beim 4:0 gegen TuB Leipzig II schon deutlicher die Ambitionen in Richtung Aufstieg untermauert.

Dieses Wochenende ist witterungsbedingt spielfrei, am kommenden wird regulär eine Runde ausgesetzt. Deshalb zur Überbrückung ein paar Impressionen vom vergangenen Wochenende.

BSG Chemie Leipzig

BSG Chemie Leipzig

BSG Chemie Leipzig

Ein Spieler – ein Genie – ein Martiniglas

Mittwoch, kurz vor Mitternacht, Southend-on-Sea (S.-o.-S.), Redaktionsgebäude, neunte Etage

© Thilo Reiter / PIXELIOHinter der letzten milchgläsernen Bürotür, am Ende eines mit Teakholz-Attrappen beschlagenen Flurs, übertönt ein regelmäßiges Röcheln unschwer das Summen der Deckenventilatoren. Draußen vor dem Bürofenster wirft ein Sturm schmierige Böhen aus Regen, Koks und Straßendreck gegen die getönten Scheiben. Endlich Regen, nach Wochen ununterbrochener Hitze endlich Regen. Seit vier Jahren, seit der sommerlichen Hitzewelle 1976, hatte die Sonne nicht mehr so lange ungeschoren auf die Stadt gebrannt. Mitch konnte gar nicht so viel saufen, um seinem unabdinglich schwitzenden Körper wieder ausreichend aufzutanken. Er sitzt in dem kleinen Büro am Schreibtisch. Genauer gesagt ist sein Oberkörper auf jenen vor gut vier Stunden niedergesunken. Mitch schläft. Er schläft wahrscheinlich den tiefen Schlaf eines Johnny Beam, José Bacardi oder Boris Smirnoff. Oder er war einfach nur müde. Zum Schlafen findet sich immer ein Anlaß.

Mitch weiß zweifelsohne jede Menge Gründe, der Realität eine gute Nacht zu wünschen und in die unendlichen Weiten einer gesunden Bewußtlosigkeit abzutauchen. Er sieht sich seit geraumer Zeit den klassischen Beweggründen einer Mitdreißiger-Depression ausgesetzt: Frau ausgeflogen, Bälger gibt’s jedes zweite Wochenende. Dafür drücken Unterhaltsforderungen an jedem Monatsersten den Kontostand gen Dispokredit. Karriere? Welche Karriere? Nennen wir’s einen Job. Schriftsteller wollte er sein, gefeierter Romancier, von mir aus auch Literaturnobelpreisträger. Journalist ist er geworden, nicht mal Großstadt-Feuilleton – beschissene Sportredaktion bei einem verschissenen Provinzblättchen. Immerhin darf er jede Woche kostenlos ins Stadion zu UNITED. Nur leider spielt dieses UNITED in der Fourth Division, also der fünften englischen Liga und eint somit nur den Namen mit dem ruhmreichen Club aus Manchester. Mitch hat es satt jede Woche wortreiche Lobeshymnen auf nicht einmal ansatzweise talentierte Spieler in seine nagelneue Boerder-Schreibmaschine zu tippen. Aber der Boss will es so, die vierundzwanzig Spielerfrauen wollen es so und die schätzungsweise fünfzehn Fans, die jeden Montag- und Donnerstagmorgen die Freiverkaufszahlen der Zeitung in die Höhe schnellen lassen, wollen es auch so. Vor vier Stunden hat er seine unkritisch optimistische Bewertung des heutigen Ligapokal-Debakels gegen Oxford abgeliefert und beschlossen, dass es so nicht weitergehen darf.

Es ist nur ein Traum, aber ein Traum zum einrahmen, den Mitch träumt. Er steht in einem großen Haus mit sonnendurchfluteten Räumen. Mitch schmeckt Salz und riecht Sonnenöl. Ja, er träumt sich in ein großen Haus am Ozean. Da ist Musik, irgendeiner dieser fluffigen, leicht dümmlichen Songs, die von luftigen Cabriolets und jeder Menge Psychopharmaka künden, dudelt vor sich hin. Oh ja, Mitch träumt sich in eine kalifornische Strandvilla.

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